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Zu voreilig

Hm. Das mit der Schule (“Ranzen auf – und tschüß…”) ist nun doch nicht so, wie im vorherigen Eintrag beschrieben. Gerade habe ich eine Einladung zu so genannten “pupil visits” bekommen. In den hiesigen Grundschulen gibt es also DOCH eine “transition period”, also einen sanften Übergang vom Kindergarten in die Schule.

In den letzten Wochen vor den Sommerferien werden die Noch-Kindergartenkinder in die Schule eingeladen. Sie treffen ihren Lehrer und künftige Klassenkameraden. An einem der drei Vormittage widmen die jetztigen Erstklässler ihnen sogar eine Aufführung. Danach gibt es einen Rundgang der Schule.

Sie werden also doch nicht ins eiskalte Wasser geschleudert, wie zuvor angenommen. Die Tatsache, dass ich so schnell bereit war zu glauben, die Schotten machten es “falsch” mit der Einschulung, führt mich zu dem Schluss, dass ich – wenn auch nicht bewußt -bestrebt bin, an deutschen Traditionen fest zu halten. Dass ich Aufhänger suche, um das hiesige System zu verurteilen.

Statt mich krampfhaft an etwas fest zu halten, was wohlmöglich eh nur in meiner Erinnerung existiert, macht es doch vielmehr Sinn, dem Neuen gegenüber Offenheit an den Tag zu legen. Unvoreingenommenheit. Die ist es auch, die ich von den Schotten mir gegenüber erwarte.

Ranzen auf – und tschüß……

Ich kann es immer noch nicht richtig fassen. Aber es stimmt. Ich habe es mir von verschiedenen Seiten bestätigen lassen: Die Briten feiern keine Einschulung! Nix.

Kein Grußwort des Schulleiters. Keine Aufführung der größeren Klassen. Keine Schultüte. Keine Mamas, Papas, Omas, Opas, Onkeln und Tanten mit Tränen in den Augen. Nix.

Die Kinder werden an ihrem ersten Schultag für ein bis zwei Stunden an der Schule “abgegeben” und verbringen dann ein wenig Zeit mit dem Klassenlehrer und der Hälfte der Klasse (Nachnamen A- K zuerst, gefolgt L bis Z). Und tschüß….

Ein wahrer Kulturschock. Und wir deutschen Eltern(teile)? Sollen wir unseren Kindern Schultüten mitgeben und Omas und Onkels vor dem Schultor platzieren? Natürlich: der erste Schultag muß gefeiert werden, mit so vielen Freunden und Verwandten wie möglich. Und in die Schultüte kommen Bonbons, über die sich auch die britischen Kinder freuen. Vielleicht kommen sie ja so irgendwann mal auf den Geschmack einer richtigen Einschulung!

Schulstart mit 4, 5 oder 6?

Endlose Diskussionen. Unendliche Meinungen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um ein Kind einzuschulen? Mit 4 – wie in England üblich? Mit 4,5 bis 5,5 – wie bei den Schotten? Oder mit 6, wie in Deutschland?

Wie ich feststelle, wird diese Debatte mit viel Leidenschaft und wenig Sachverstand geführt. Viele Deutsche, die meinen ihre Kinder seien mit 4 oder knapp 5 noch nicht schulreif, schicken ihre Kinder auf die Steinerschule oder halten sie ein Jahr zurück. Aber ist das richtig? Und wichtiger: Ist den Kindern damit geholfen? Diesen Eintrag weiter lesen »

Deutsche Dichte

Ein „deutscher“ Samstag im März. Bei uns im Viertel gibt es neuerdings einen Markt, zwar nur einmal im Monat, aber immerhin. Und siehe da: Unter der handvoll Stände auch einer mit ”richtigem” Brot, „Störtebecker“stand da in verspielten Lettern. Meine vorsichtige Frage: „Do you have any connections with Germany“.  „Yes, I’m from the northern part and my partner from the south, we combine our traditions“, so die Verkäuferin. Ich: “Hallo, ich komme aus Hamburg”. “Hallo, Bremen.”

Nett, was die Leute sich so ausdenken. Diese beiden Frauen backen die Tage und Nächte durch und verkaufen ihre Waren auf diversen Märkten und in Schulen, quer durch die Stadt. Exzellentes Roggenbrot!

Auf dem Markt begegnete mir noch meine deutsche Freundin, Julia. Kleines Pläuschchen. Danach zum Einkaufen bei Aldi. Fast ein bißchen unheimlich, diese deutsche Dichte.

Eingeschneit, Teil II

Mein erster Eintrag zum Thema “eingeschneit” endete mit einem sonnigen Lichtblick. Das war vergangenes Wochenende, 4. und 5. Dezember. Am Montag begann die zweite Runde. Der Schnee fiel den ganzen Tag. Und mit ihm Regenrinnen und Ziegel. Aus den Autos am Straßenrand wurden wieder Iglos, der Verkehr, Flughafen, Schulen erlagen dem Wetter auf ein Neues. Dazu kam die Kälte. Und die traurige Gewissheit, dass die schottische Regierung nicht im stande ist, Herr der Lage zu werden. Gestern (Donnerstag, 9. 12.), rief sie in ihrer Verzweiflung nach der Armee. Zu spät. Mit den großen Armytrucks kam das Tauwetter. Als wolle das Wetter zeigen, wie sehr es uns im Griff habe, geriet der Einsatz der Soldaten bei Matschwetter zur Lachnummer. Diesen Eintrag weiter lesen »

Gummistiefel gegen Schneechaos

Zunächst regt sich Mitleid. Frierende Schotten im Schnee, an den Füßen: Gummistiefel. Als klar wird, dass die Mehrheit der Bevölkerung die wellington boots, kurz wellis, als angemessenes Schneeschuhwerk ansieht, stellt sich die Frage, ob da mehr im Spiel ist als Gummi, Kälte und Idiotie. Sind die wellis eine Art nationale Allzweckwaffe gegen alle Eindringlinge von außen? Es war der Duke of Wellington – vermutlich in den Original-Wellis – der bei Waterloo Napoleon besiegte. Wenn 1815 den französischen Herrscher, warum dann nicht 2010 den ungeliebten Schnee? Vielleicht steckt in jedem Gummistiefel ein Stückchen Eroberungs- und Wärmegefühl – unerreichar und unnachvollziehbar für kontinentaleuropäische Fans von gefütterten Lederschuhen, Moonboots oder Fellstiefeln.

Eingeschneit

Es schien nicht möglich, aber dann war es doch so. Wir waren eingeschneit. Mitten in der Stadt. Von Räumungsfahrzeugen keine Spur.

festgefahrenAm ersten Tag dachte ich, die kommen morgen. Am zweiten Tag fragte ich mich, wo der ganze Schnee eigentlich hingeräumt werden sollte, wenn sie denn kommen würden. Am dritten Tag standen entlang der Straße keine Autos mehr, sondern Iglos.  Es war klar: die einzige Rettung ist die Sonne. Bis dahin hieß es durchhalten, zu Fuß laufen und alle Gefühle von Eingesperrtsein verdrängen.

Die Sonne kam nach einer Woche. Die Nachbarn glitten aus ihren Häusern, schaufelten ihre Iglos frei, tauschten ein paar Nebensächlichkeiten aus, als sei man alle paar Tage eingeschneit und dann verschwanden sie wieder in ihre Häuser. Denn die Autos sind jetzt zwar frei, aber die ungeräumten Straßen mit Sommerreifen – wie allgemein üblich – nicht wirklich zu befahren.

Mal sehen, wie es weitergeht.

Die Fakten

Immer mehr Deutsche ziehen ins Ausland. 155.000 waren es 2006, die höchste Zahl seit 50 Jahren, berichtet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Mehr zur Statistik bald hier.